Der Zauberer aus Berlin

Zauberer aus Berlin

Zauberer aus Berlin

Das dürfte jetzt nicht allzu schwierig werden: Der kleine schwarze Tisch steht nur wenige Zentimeter entfernt, als die großen, schlanken Hände des Zauberers die Spielkarten in immer kleineren Stapeln darauf verteilen. Kaum möglich, auf die geringe Distanz etwas zu übersehen. Da, in diesem letzten Stapel sollte die soeben eigenhändig mit Name und Datum versehene Herz-Acht stecken – doch sie tut es nicht. Ist der Trick daneben gegangen? Schneider lächelt ein warmes Lausbubenlächeln, öffnet den Deckel der kleinen Metalldose, die auf dem Tisch steht und holt die zusammengefaltete, markierte Karte heraus. Wie hat er das nur gemacht?

 

Vier Zauberer, jeweils 15  Minuten – auch Weltmeister  Marc Wulz war schon da

 

Es sind diese Momente des Staunens, die Schneider liebt. ,,Ich will Ihnen nicht das Mögliche, sondern das Unmögliche zeigen”, sagt der 34-Jahrige, der am liebsten Close-up-Zauberkunst, also die sogenannte Tisch- oder Mikromagie, betreibt. Dazu braucht er keine großen Aufbauten oder Knalleffekte. Ein paar Satze Spielkarten, einige blanke Dollarmünzen, Schnürsenkel, Ringe oder mal eine Orange oder ein Zauberwürfel reichen. Und viel, viel Übung. Seitdem sein Onkel ihm als Elfjährigen mit einem Kartenkunststück zum Staunen gebracht hat, hat Schneider das Zaubern gepackt und nicht mehr losgelassen.

In den ersten Jahren hat der gebürtige Wilmersdorfer, der heute in Prenzlauer Berg lebt, mehrere Stunden am Tag geübt. Inzwischen sind es immer noch ein bis zwei Stunden täglich, in denen sich Schneider nach seiner hauptberuflichen Tätigkeit als Ingenieur im Bereich Künstliche Intelligenz abends dem Training neuer Kunststücke widmet. Seine Freun­din ist die erste Test-lnstanz. Dann folgen mehrere Auftritte auf freien Bühnen wie der Scheinbar in Schöneberg oder dem Comedy Club Kookaburra in Prenzlauer Berg. Und erst wenn dort mehrmals alles geklappt hat, zeigt Schneider den neuen Trick als bezahlter Zauberer auf Privat- oder Firmenfeiern. ,,Dies ist’ eine der schwierigsten Herausforderungen: einen Trick erst öffentlich zu präsentieren, wenn er möglichst perfekt sitzt. Denn sonst verrat man sein Geheimnis”, erzählt Schneider.

Um die ganze Bandbreite dessen, wofür er brennt, einem großen Publikum zeigen zu können, hat Schneider vor drei Jahren den ,,Merlin Zauberslam” im Pfefferberg Theater ins Leben gerufen, der alle drei Monate stattfindet. Vier Zaube­rer treten an diesem Abend gegeneinan­der an. 15 Minuten Zeit haben sie, die Gunst des Publikums filr sich zu gewin­nen, der endgültige Sieger wird nach ei­ner Finalrunde gekürt. Einige große Zauberkünstler waren hier schon zu Gast, da­runter der amtierende Weltmeister Marc Weide sowie die Vizeweltmeister Axel Hemsn und Yann Jonas. Normalerweise tritt Schneider an diesen Abend en nur als Moderator auf. Da zeitgleich zum kom­menden· Zauberkunst-Abend aber die letzte Vorentscheidung der Deutschen Zauberkunstmeisterschaft im bayrischen Mindelheim stattfindet und deshalb einige Kollegen verhindert sind, nimmt Schneider diesmal selbst am Slam teil. Mit dabei sein werden außerdem Profi-Zauberer Jochen Selter, Mentalist Adam Wiese sowie Wintergarten Variete-Zauberer Freddie Rabe. Moderieren wird der ehemalige mehrfache Deutsche Jugendmeister seines Fachs, Jurim Krimm.

Zauberer aus Berlin

Wer sich die Namen der Großen in der Zauberkunst oder auch die Mitgliederzusammensetzung der Zauberervereinigung ,,Magischer Zirkel Berlin” ansieht, stellt schnell fest, dass Frauen hier stark unterrepräsentiert sind. Eine richtige Erklärung hat Schneider dafür auch nicht. ,,Vielleicht ist es wie in anderen Be­reichen auch: Wenn eine Domäne ursprünglich nur von Männern besetzt war, dauert es leider lange, bis Frauen in ihr Ful?. fassen”, spekuliert er. Die Begeisterung für Zauberei ist an sich geschlechterübergreifend, das hat Schneider auch be­merkt, als er in Aachen, wo er promoviert hat, eine Zauberschule für Waisenkinder gegründet hat: Mädchen und Jungen wa­ren gleichermaßen mit Feuereifer bei der Sache.

Wie die Sache mit der Herz-Acht funk­tioniert, gibt Schneider nicht preis, das verbietet das Zauberer-Ethos. Auch, wie plötzlich der vierte kalifornische Silber­dollar in die Hand des anwesenden Foto­grafen wandern konnte, obwohl doch Schneiders Handgelenke festgehalten wurden, wird wohl sein Geheimnis blei­ben. Aber eine Sache verrat Schneider am Ende dann doch: Dass nämlich eigentlich immer irgendetwas schief geht bei einer Zaubershow. Und <lass nur die Allerbesten, denen Schneider selbst seine Bewun­derung zollt, diese kleinen Unfälle gänzlich verbergen können. Es lohnt sich also auf jeden Fall, genau hinzuschauen. Blinzeln sollte man aber zur Sicherheit am bes­ten erst wieder am Ende der Show. Hier gehts zur Homepage: http://www.dorianschneider.de

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